Finger weg von Ilisu

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus www.stopilisu.com

Menschenrechte spielen keine Rolle  

Steuergelder aus Deutschland und Österreich als Hilfe für Zwangsumsiedlungen?

„Ich bin im Dorf Cöltepe, das im Kreis Siirt liegt, geboren und aufgewachsen. Im Jahr 1993 wurden ich, meine Familie und alle Dorfbewohner von Sicherheitskräften und Dorfschützer aus Sicherheitsgründen aus unserem Dorf zwangsvertrieben. Ich bin arbeitslos und habe keine Berufsausbildung. Im Dorf haben wir Land- und Viehwirtschaft betrieben, was für unseren Lebensunterhalt ausreichte. Dann kam ein Gesetz heraus, wonach wir in unsere Dörfer zurückkehren könnten. Doch dann wurden wir mit dem Staudamm konfrontiert. Die Staudammbauer haben nicht nach unserer Meinung zum Staudamm gefragt. Die den Staudamm bauenden Unternehmen kamen nicht einen einzigen Tag zu uns, um unsere Einstellung anzuhören. Ich nehme an, dass sie es auch nicht für notwendig halten. Ich möchte nicht, dass die Orte, wo ich lebte, überflutet werden. …“ (Ramazan Ilten, Bauer)

Als Greenpeace-Mitglied war ich gelinde gesagt geschockt,  als ich von dieser geplanten Aktion las,  die unter anderem von Österreich (Andritz-AG), Deutschland und der Schweiz zur Umsetzung ins Leben gerufen wurde.  Dabei geht es um ein Wasserkraftwerk  in der Südosttürkei am Tigris,  Ilisu genannt.  Der Damm,  einige Kilometer unterhalb der historischen Stadt Hasankeyf wird stolze 153 Meter hoch und zwei Kilometer breit sein und am Ende bleibt ein 313 km/2 großer Stausee,  der der Stadt Hasankeyf nicht besonders gut tun wird.
Selbstverständlich sind Proteste laut geworden und zwar von 30 Bürgermeistern der Region gegen eine mögliche Finanzierung,  von Umweltgruppen die viele seltene Tierarten die es nur dort gibt,  bedroht sehen und von Archäologen die behaupten,  dass Hasankeyf neun von zehn Kriterien erfüllt,  um ein UNESCO-Weltkulturerbe zu sein.  (Die chinesische Mauer erfüllt fünf).  In den Fluten des Stausees würde nicht nur diese Stadt verschwinden,  sondern auch römische, byzantinische, seldschukische, ayyubidische und osmanische Spuren.
Aber abgesehen von den historischen Fakten,  leben da heute noch Menschen und zwar 70.000 und diese müßten selbstverständlich gegen ihren Willen umgesiedelt werden.
Wolfgang Leitner, Vorstandvorsitzender der Andritz AG meint lapidar dazu:  “Wir achten natürlich auf  Standards,  aber wir können nicht einfach Aufträge ablehnen,  nur weil eine Nichtregierungsorganisation (NGO) dagegen ist – da verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit bei den Kunden.”    DAS ist selbstverständlich ein gutes Argument,  denn immerhin ist der Kunde ja König und die Bewohner von Hasankeyf sind in diesem Fall dann wohl die Untertanen.  Oder?
Anzumerken sei noch folgendes (und nachzulesen bei Wikipedia):  Wolfgang Leitner ist ein österreichischer Manager und Unternehmer,  studierte Chemie und war später drei Jahre lang als Forscher bei VIANOVA,  einem österreichischen Tochterunternehmen der Hoechst AG tätig.
1986 gründete er gemeinsam mit seinem Studienkollegen, dem ehemaligen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein das Pharmaunternehmen  Genericon.  Deren ungarische Tochter Pharmavit erzielte mit Brausetabletten und Generika große Erfolge und wurde 1995 von einem US-Pharmakonzern für 110 Millionen Dollar gekauft.
Leitner war parallel dazu seit 1987 als Finanzvorstand und ab 1994 als  Vorstandvorsitzender der Andritz AG tätig.  Beim 1999 erfolgten Verkauf der Andritz AG erwarb Leitner einen 26-Prozent-Anteil, 72 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz, zwei Prozent hält das Management.  Leitner verfügt über ein geschätztes Privatvermögen von  500 Millionen Euro und steht an 38. Stelle der 100 reichsten Österreicher.

Und was genau ist eine NGO?

The World of NGOs dient der Unterstützung von Organisationen der Zivilgesellschaft in Österreich. Sie ist selbst eine Non-Profit-Organisation mit dem Zweck der Information, Koordination und Förderung von Dienstleistungen für Vereine, Nicht-Regierungs- bzw. Non-Profit-Organisationen sowie Stiftungen und als ideeller Verein in Österreich registriert.

The World of NGOs engagiert sich in der Förderung der Professionalisierung von MitarbeiterInnen im Non-Profit-Sektor und in der aktiven Vernetzung von Initiativen und AkteurInnen auf dem Dritten Sektor in Europa.
(entnommen aus der HP der NGO)

Aha, und Wolfi findet die Meinung von NGO einfach nur doof?  In dem Jahresbericht der Andritzer AG von 2008 gibt Herr Leitner folgendes von sichMit “Global Care” fokussieren wir uns auf den Klimaschutz und die Frage, was ANDRITZ dazu beitragen kann und wie wir gleichzeitig die Kundenziele hinsichtlich Effizienz- und Produktivitäts-Steigerung berücksichtigen können. Gerade in Krisen-Zeiten ist der sparsame Umgang mit Rohstoffen und Energie ein sehr wichtiges Thema. Viele unserer Kunden setzen in wirtschaftlich schlechteren Zeiten auf unsere neuesten Technologien, um sich eine gute Wettbewerbsposition für die Zukunft zu sichern. Insofern sind “Global Care” und Wirtschaftskrise kein Widerspruch.”

Soso,  aber an anderer Stelle heißt es,  dass in Borneo/Indonesien zwei Zellstoffwerke mit Andritz-Beteiligung errichtet wurden und dabei in den vergangenen Jahren 150.000 ha Regenwald zum Opfer fielen.
Oder aber die Sache  am Rio Madeira.  Da soll ein Komplex von vier Staudämmen entstehen.   Mitten in einem der artenreichsten Areale der Welt, das wissenschaftlich bisher kaum erforscht wurde,  wobei sich die Andritz AG an den Staudämmen Jirau und San Antonio beteiligt hat.  Trotz Zweifel innerhalb der zuständigen Prüfstelle wurde das Projekt genehmigt – Gerüchten zufolge war bei der Finanzierungsanbahnung Korruption im Spiel.   Die Staudämme werden zu einer gigantischen Naturzerstörung führen.   Auftragswert für die Andritz AG: ca. 420 Millionen Euro.
Und dann noch die gigantische Wasseranlage “Belo Monte” in Brasilien  (drittgrößtes Wasserkraftwerk der Erde)  an der sich die Andritz AG wie angekündigt  beteiligen möchte.

Tja,  was soll man da noch sagen?  Außer “Geld regiert die Welt”.  Immernoch!
Ich lebe nun seit fast 12 Jahren hier in Österreich und ich war immer der Meinung,  dass dies ein Land ist,  welches Umweltschutz sehr groß schreibt.  Dabei musste ich erfahren,  dass Österreich unter sechzig Staaten an 42. Stelle im “Climate Change Performance Index” steht und beim Thema Klimapolitik sehr schlecht abschneidet.
Das Land der sauberen Flüße, der klaren Seen, der wunderbaren Natur,  der geografischen und klimatischen Möglichkeiten und dennoch Null Bock auf auf Umweltschutz?
Schade,  wirklich schade! :-(



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