Deutsche Sprache – schwere Sprache?

Nun, ich würde sagen, dass Deutsch schon eine recht schwere Sprache ist.  Und das behaupten immerhin nicht nur Deutsche,  sondern vorallem Ausländer die aus welchen Gründen auch immer diese Sprache erlernen müssen.
Doch warum ist das eigentlich so?  Was unterscheidet die deutsche Sprache von der englischen oder der französischen?
Alle Welt redet ja von Rechtschreibung und Grammatik und dass dieses die Sprache erst ausmacht,  aber was heißt das im Endeffekt?
Es wird behauptet,  dass Rechtschreibung eine Normierung der Schriftsprache ist und darin festgelegt wird,  wie etwas geschrieben wird,  damit es auch jeder lesen und verstehen kann.  Naja, dies erscheint mir schon mal ein wenig widersprüchlich,  denn oft genug lese ich deutsche Texte und verstehe eben nicht den Sinn des Geschriebenen.
So habe ich z.B. folgenden Satz im Net gefunden:  Ballistische Experimente mit kristallinem H2O auf dem Arealpädagogischer Institution unterliegen strengster Prohibition! JA, ob ihr es glaubt oder nicht,  aber das ist richtige deutsche Sprache und heißt übersetzt:  Schneeballwerfen auf dem Schulhof ist verboten :-)
Oder hier noch ein Beispiel:  Das maximale Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation  zur spirituellen Kapazität des Produzenten,  was übersetzt heißt,  dass die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln haben.

Also die Rechtschreibung zeigt uns wie man Wörter richtig schreibt und die Grammatik ist eine Formenlehre von Wörtern und Sätzen und dann kommen da ja noch die Fremdwörter hinzu,  wie ich es in den oben genannten Beispielen angeführt habe.  Ganz schön verwirrend, nicht wahr?  Ich muss gestehen,  auch wenn ich sehr gerne schreibe,  nehme ich es mit der Grammatik nicht unbedingt so genau und meistens verzuche isch,   schwäre Fähler ;-) zu vermeiden und so zu schreiben,  dass ich verstanden werde.  Dies mag nun allen Germanisten,  Deutschlehrer und Sprachliebhaber nicht so schmecken,  aber darauf kann und möchte ich keine Rücksicht nehmen.
Als ich 2002 für mein Studienfach “Philosophie” eine Studienberechtigungsprüfung machen musste,  gehörte zu den Prüfungsfächern auch Deutsch und eine einsemestrige Vorbereitungszeit auf der Uni.  Bis zum damaligen Zeitpunkt war ich noch der Ansicht,  dass ich Deutsch ziemlich gut beherrsche,  aber leider verwechselte ich mein ausgeprägtes schriftstellerisches Talent mit den furztrockenen Regeln der deutschen Grammatik und Rechtschreibung.  Dabei stieß ich auf Grenzen von denen ich nicht mal im Traum angenommen hatte,  dass es sie gibt und nicht nur einmal nervte ich den Deutschlehrer mit meiner “warum ist das so?” – Frage,  die er eben so oft mit  “Es ist halt so und es gibt keine Erklärung dafür. Nehmen sie es einfach hin”  beantwortete.
Irgendwie kann ich ja verstehen,  dass man gewisse Regeln braucht,  schon alleine um die Dinge sprachlich voneinander unterscheiden zu können,  aber dennoch finde ich auch heute noch bestimmte Regeln und Vorschriften für mich unverständlich.  Was die Wörter betrifft,  so frage ich mich zum Beispiel,  warum man immernoch zwischen “v” und “f” unterscheidet?  Ich meine,  ob ich nun “Vogel” sage oder “Fogel”,  macht doch von der Aussprache her keinen Unterschied,  oder?  In meinem Deutschkurs auf der Uni wurden wir unter anderem auch darauf hin gewiesen,  dass man zum Beispiel mit der neuen Rechtschreibreform,  “Delphin” nun mit “f” schreiben soll,  also “Delfin”,  auch wenn beide Schreibweisen verwendet werden dürfen.  Wikipedia sagt folgendes dazu:

Altgriechisch von “Delphos”

Das Wort ist verwandt mit „Delphi“ und „Philadelphia“ Der Delphin heißt Delphin, da er aus der „Spalte“ bzw. Gebärmutter lebend geboren wird. Das Orakel Delphi heißt wegen der Erdspalte so. Delphos ist im Altgriechischen das Wort für Bruder bzw. für einen, der aus der gleichen Spalte / Gebärmutter stammt.
Als ich in diesem Zusammenhang meinen Deutschlehrer fragte,  wieso denn eine Änderung dieser Schreibweise durchgeführt werden soll,  meinte er,  dass man der Meinung wäre die deutsche Sprache mehr zu “verdeutschen” und ausländische Beeinflussung mehr und mehr zu streichen,  sodass am Ende eine reine deutsche Sprache entstehen könne.

ICH fand das so was von unsinnig,  denn alle Sprachen wachsen und verwandeln sich durch den Einfluss fremder Sprachen und gerade in Zeiten der Globalisierung ist es doch so was von schwachsinnig,  eine reine und ganz eigene Sprache anzustreben.  Ich versteh die Welt nicht mehr.  Naja,  in diesem Fall wohl die deutschen Rechtschreib- und Sprachreformer.
Und Ludwig Wittgenstein,  der schon von Bertrand Russell als Genie bezeichnet wurde meint,  dass die Sprache wie eine “alte Stadt”  ist:   „Ein Gewinkel von Gässchen und Plätzen, alten und neuen Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten: und dies umgeben von einer Menge Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern.“
Vielleicht ist deshalb eine Sprache schwieriger als eine andere,  nämlich weil es den einen wichtig ist,  ganz klare Unterscheidungen zu treffen,  wie z.B. der “deutsche Delfin” oder der “griechische Delphin”,  oder Unterschiede zu machen in Form von “der, die, das”,  während zum Beispiel die Engländer nur “the” kennen,  was aber einer Verständigung nicht im Wege steht.   Sei es wie es ist.  Solange ich verstanden werde,  ist es mir ziemlich egal ob ich etwas “rischtig” oder “falsch” schreibe :-)

Und desweiteren und absolut aus meiner Seele gesprochen sagte Wittgenstein noch dies:  „Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist.“

So sei es :-)



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