Lebensberatung als Philosophie? VIII

Die Philosophie beinhaltet neben den in meinen letzten Texten angeführten Denkrichtungen  “Solipsismus” und  “Skeptizismus” auch einige andere Sichtweisen.
Ausgehend von der üblichen Definition von Philosophie = “Liebe zur Weisheit” wird also versucht, die Welt, das Umfeld, die Mitmenschen und die menschliche Existenz an sich zu analysieren und zu deuten.  Dies tun wir im Grunde genommen jeden Tag und jeden Augenblick unseres Lebens,  denn es ist uns ein Anliegen das was außen von uns ist, oder das von dem wir glauben,  dass es außen ist,  einschätzen und einordnen zu können.  Genauso ist es aber auch mit unserer inneren Welt die wir kennen wollen,  die wir Gewinn bringend einsetzen  und Kontrolle darüber  haben wollen.  Immer aber geschieht dies durch das Sieb unserer eigenen Geisteshaltung und beeinflusst durch unsere eigenen Ansichten.
Dennoch unterscheidet sich diese Liebe zur Weisheit und zum Denken von den anderen Wissenschaften dadurch, dass sie sich nicht auf ganz bestimmte Themen konzentriert oder nur bestimmte Methoden anwendet.  Die Philosophie stellt im Grunde genommen Fragen auf eine spezielle Art und Weise,  was eine bereichernde Herangehensweise an Gebiete darstellt, die umfassend und unendlich sind.  Diese Art der Fragestellung wird auch als Methodologie bezeichnet,  was etwa  “Lehre über die Vorgehensweise”  bedeutet und die Lehre von wissenschaftlichen Methoden darlegt.
Menschen die sich also Gedanken darüber machen, wie man am besten ein Problem, eine Frage, eine Aufgabe oder einen Bereich angeht, sind größtenteils damit beschäftigt die Herangehensweise an Etwas zu untersuchen.  Das kann mitunter ziemlich anstrengend sein,  denn ein eingefleischter Methologe der ein Problem lösen soll,  befasst sich womöglich ewig und drei Tage damit,  wie und auf welch verschiedene Arten er das Problem lösen könnte.  Sollte er sich dann tatsächlich irgendwann für etwas entscheiden,  ist das Pferd schon tot, das Kind in den Brunnen gefallen und das Fass läuft seit Stunden und Tagen über.
Aber auch dies ist eine Art von Philosophie und wenn Sie sich nicht mit dem Skeptizismus oder dem Solipsismus einig werden können, so dann doch vielleicht mit der Methodologie.
Nein? Kein Bedarf?
Macht nichts.  Ich könnte Ihnen da noch die Rolle des Logiker anbieten. Das sind ganz “Hartgesottene”.  Denen ist es vollkommen wurscht, ob etwas richtig oder falsch ist, weil es für die kein richtig oder falsch gibt,  da die Logik die Wissenschaft des folgerichtigen Denkens ist.  So schaut sich die Logik also Argumente an (Beweismittel, Aussagen, Folge von Aussagen) ohne auf deren konkreten Inhalt der eigentlichen Aussage einzugehen.  Das heißt,  dass die Aussagen von vornherein und ohne Bewertung als wahr gelten oder einfach nur als das was sie sind: Aussagen.
Ein Beispiel:  Nehmen wir mal an und denken es ist wahr,  dass alle Menschen Afrikaner sind.  Nein, kein dagegen halten. Wir nehmen es einfach mal an.  Also:  Alle Menschen sind Afrikaner.  Und ich bin ein Mensch.  Ja, dessen bin ich mir ziemlich sicher.  Aber egal was ich darüber denke, wir nehmen es als wahr an,  dass ich ein Mensch bin.  Dann ist die logische Schlussfolgerung?  Na? Genau, ich bin ein Afrikaner.  Ob wirklich alle Menschen Afrikaner sind oder ich ein Mensch und letztendlich also auch ein Afrikaner,  ist der Logik so was von schnurz.  Sie geht einfach den logischen Weg, ohne Schnörkel, ohne Umwege, ohne Zweifel und Diskussionen.
Gäbe es die Aussage, dass alle Menschen Afrikaner sind und ich sage ich bin ein Inder, entsteht automatisch ein Stocken und die schnelle Erkenntnis,  dass ungeachtet dessen was davon wahr ist, die beiden Aussagen in Folge betrachtet nicht stimmen können.  Also sind entweder doch nicht alle Menschen Afrikaner oder es stimmt nicht dass ich ein Inder bin.
Alles klar?
Nun, sind sie ein Logiker?
Moment!  Bevor Sie sich entscheiden,  sollten Sie noch wissen,  dass Sie auch noch die Auswahl haben zwischen den theoretischen philosophischen Disziplinen der Ethik, Ontologie, Metaphysik  und Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie.

All das und noch vieles mehr sind Sichtweisen die wie Brillen erscheinen,  die wir uns tagtäglich aufsetzen und durch die wir unsere Umwelt und unsere innere Welt betrachten.  Erkennen wir,  welcher selbst ernannten Beeinflussung unsere Erkenntnisse unterworfen werden,  erkennen wir auch die Möglichkeiten uns davon zu befreien, um eine ungetrübte und wertfreie Sichtweise zu erlangen.



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