Lebensberatung als Philosphie? III

Wissen.  Was ist Wissen?
Glauben heißt nicht wissen.  Mit diesem Spruch bin ich irgendwie groß geworden.  Wann er zum ersten mal auftauchte oder wer ihn mir gesagt hat,  weiß ich nicht mehr.  Aber ich kannte ihn und war immer der Ansicht,  dass ich den Sinn auch verstand,  in dem ich annahm,  dass der Glaube stärker sei als das Wissen,  da der Glaube ja nicht wissen bedeutet.
Also Glaube ja,  aber Wissen nein.
Irgendwann,  viele Jahre später an einem sonnigen Frühlingstag  fiel mir dieser Spruch wieder spontan ein und ich kann mich noch genau an den Ort erinnern,  an dem mir diese Weisheit wie aus heiterm Himmel nochmals einfiel.  Doch genau so plötzlich wie er in mir auftauchte,  erkannte ich eine andere Art von Definition und Erklärung dieses Spruches. Eine Erklärung die mir nicht nur viel besser gefiel,  sondern von der ich sofort überzeugt war,  dass es die richtige wäre und auch schon immer so gemeint war.   Genau, Glauben hieß nicht wissen.   Wer also glaubt,  der weiß nicht und etwas zu wissen ist doch schon immer stärker gewesen als etwas nur zu glauben.    In meiner früheren Definition habe ich den Schwerpunkt auf den Glauben gelegt und angenommen dass dieser stärker als Wissen ist und deshalb dem nicht wissen vorzuziehen sei.  Nun aber weiß ich,  dass Wissen stärker ist und Glauben wohl zu Wissen führen kann,  aber Wissen niemals ersetzt.   Wir alle können diese Definition sehr gut nach empfinden,  denn wenn wir sagen “ich glaube” haben wir ein anderes Gefühl als wenn wir sagen “ich weiß”.  “Ich glaube ich bin talentiert” ist eine halbherzige Theorie die nie richtig zum Tragen kommt,  aber “ich weiß ich bin talentiert” drückt nicht nur theoretisch dieses starke Wissen aus,  sondern führt unweigerlich zum Handeln.  Jemand der weiß oder behauptet zu wissen,  wirklich zu wissen,  der handelt auch danach,  da für ihn wissen und handeln unzertrennlich zueinander gehören.

Doch ein weiterer Punkt sollte bei dieser Überlegung nicht vergessen werden.  Was immer wir glauben zu glauben oder glauben zu wissen, oder wissen zu wissen oder wissen zu glauben,  immer gründet sich dieses Wissen/Glauben auf unsere eigenen Erlebnisse, Gedanken, Gefühle und Eindrücke,  sodass all unsere Erklärungen und Definitionen stets durch den Filter unserer eigenen Persönlichkeit beleuchtet werden.
Wir haben keine Zweifel daran,  ob das Ding das da draußen vor dem Fenster steht und aussieht wie ein Baum,  auch ein Baum ist.  Und wir schauen schon nicht mehr hin,  wenn wir uns zum Essen auf dieses eigenartige Gebilde namens “Stuhl” setzen, da wir sicher sind, dass der Stuhl da ist wenn wir uns darauf setzen wollen.
Aber ich frage mich, wie sicher wir sein können, dass diese Dinge wirklich existieren?  Ich meine, steht der Baum vor meiner Wohnung auch dann dort draußen,  wenn ich nicht hin schauen? Natürlich. Selbstverständlich. Klar, steht der noch draußen, auch wenn du ihn nicht anschaust. Ach ja?  Und woher weiß ich das?  Wie kann ich überhaupt nachprüfen,  ob er noch da steht,  wenn ich nicht hinschaue, ohne hin zu schauen?   Denn würde ich hin schauen,  dann wäre es ja ein hin schauen und nicht ein “nicht hin schauen”  um zu prüfen ob der Baum noch da steht,  wenn ich nicht hinschaue.  ” Naja”,  mag der eine oder andere einwerfen, ” ICH sehe den Baum ja auch und ich sehe ihn auch dann, wenn du nicht hinschaust”.  Aber wie kann ich mir sicher sein,  dass du den gleichen Baum siehst wie ich?  Den absolut gleichen Baum?  Welche Sicherheit kann man mir geben?  Ahh, genau.  Keine Sicherheit.   All das was ich sehe oder was du siehst,  könnte genauso gut nur in meinem Bewusstsein oder deine Sache nur in deinem Bewusstsein zu sehen sein und sonst nirgends.  Das heißt,  dass es  50:50 steht,  dass das was wir für die wirkliche Welt halten,  vielleicht eine super große Halluzination oder sogar ein Traum ist und wir nicht daraus erwachen können,  weil wir uns einbilden es wäre die Wirklichkeit.  Schon mal darüber nachgedacht :-)



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