Lebensberatung als Philosophie? II

Wie schon im voran gegangenen Artikel beschrieben,  fängt der Mensch ungefähr im vierzehnten Lebensjahr an, über philosophische Themen, wie “was existiert wirklich?”,  “können wir wissen?”,  “hat das Leben einen tieferen Sinn?”,  “gibt es Recht und Unrecht?” und ähnliches nachzudenken.
Über diese Fragen und deren Beantwortung wird schon nachgedacht,  seitdem Menschen überhaupt denken können,  also seitdem sie in bewussten Kontakt mit ihrer Umwelt und Beziehungen getreten sind.  Deshalb tauchen diese Fragen auch immer wieder auf.   Einfach aus dem Nichts und ohne dass ein Mensch davon gehört oder darüber gelesen hat.  Es scheint also ein natürliches Streben im Menschen zu sein,  sich diesen Fragen hin zu geben und auf verschiedenste Art und Weise Antworten dazu zu finden.
Im Allgemeinen nennt man dies philosophieren.  Wikipedia gibt folgende Definition:  In der Philosophie (griechisch φιλοσοφία philosophía, wörtlich ‘Liebe zur Weisheit’) wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen.
Aha.  Dann wird die Philosophie auf jeden Fall von den Naturwissenschaften und der Mathematik unterschieden,  denn sie bezieht sich ja nicht,  wie z.B. die Naturwissenschaften auf Beobachtungen, nachweisbare Ergebnisse, Experimente und Falsifikation ( Falsifizierung, auch Falsifikation (von lateinisch falisificare „als falsch erkennen“), deutsch Widerlegung, ist der Nachweis der Ungültigkeit einer Aussage, Methode, These, Hypothese oder Theorie)  und Verifikation (Verifizierung oder Verifikation (von lat. veritas ‚Wahrheit‘ und facere ‚machen‘) ist der Nachweis, dass ein vermuteter oder behaupteter Sachverhalt wahr ist),  sondern alleine auf das Denken, das ja bei jedem Menschen anders verläuft.  Man fragt einfach, argumentiert, probiert verschiedene Gedankengänge aus,  kostet mögliche Argumente, wägt sie gegeneinander ab und definiert ganz eigenständig Begriffe und Gefühle.
Die Philosophie im Menschen hat also nichts besseres zu tun,  als über allgemeine Gegebenheiten nachzudenken um sie zu verstehen,  aber die eigentliche Philosophie  befasst sich ganz gezielt mit der Gegebenheit ansich,  ohne groß über deren Auswirkung nachzudenken.
Fragt ein Wissenschaftler wie lange wir wohl bis zur Milchstraße fliegen,  fragt der Philosoph “Was ist Zeit?”.
Erforscht ein Mathematiker die Formel für eine bestimmte Berechnung,  fragt der Philosoph “Was ist eine Zahl?”
Isaak Newton wollte wissen, wie Schwerkraft funktioniert,  aber ein Philosoph hätte gefragt “Was genau ist Kraft?”
Ihr würdet euch fragen, ob es richtig ist, bei einem Test vom Nachbarn abzuschreiben,  aber ein Philosoph würde fragen “Wer oder was macht etwas zu einer richtigen oder falschen Handlung?”
Selbstverständlich ist es notwendig,  dass wir diese Dinge hinterfragen,  denn nur so entwickeln wir uns.  Aber in der Philosophie ist es das Hauptthema, die Dinge ansich zu hinterfragen.  Zu philosophieren ist eine enorme Leistung die eigentlich nie zu einem Ende kommt,  denn da wir bemüht sind unsere Welt zu verstehen,  kommen wir dieser und auch uns selbst immer näher und tauchen dabei auch immer tiefer darin ein.  Und das einzige Werkzeug das wir dabei benutzen können,  ist unser eigenes Denken das selbstverständlich so neutral wie möglich sein sollte (was es aber nie ganz sein kann,  da wir subjektive Wesen sind).  Als weiterer Schwierigkeitsgrad kommt allerdings noch hinzu,  dass nichts von dem was die Philosophie als Ergebnis anerkennt,  auch für immer so ist, da sie ja auch die Ergebnisse wieder in Frage stellt.  Außerdem ist die Vielfältigkeit der Antworten auf philosophische Fragen nicht zu verachten,  denn jeder Philosoph hat eben auch eine eigene Antwort, oder sogar mehrere Antworten  auf die gleiche Fragestellung.
Also eine allgemein gültige und universelle Antwort auf diverse Fragen wird es dem entsprechend wohl nie geben,  aber genau das hält ja auch die Philosophie schon seit tausenden von Jahren am Leben.

Im nächsten Artikel möchte ich die Frage beleuchten, woher wir überhaupt etwas wissen und was mit Wissen gemeint ist.



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