Lebensberatung als Philosophie?

Ich habe vier Kinder die ich größtenteils  alleine groß gezogen habe.  Aber viel wichtiger als diese Tatsache,  sind  für mich die Erkenntnisse die ich aus dieser Zeit mit meinen Kindern ziehen konnte.  So habe ich mir nie vorgestellt,  dass ich meine Kinder er-ziehe,  also in irgendeine Richtung ziehe,  auch wenn das eine oder andere” ziehen” aus gesellschaftskritischer Sicht aus betrachtet notwendig ist und gefordert wird,  möchte man in der Gesellschaft doch integriert sein.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse die ich im Laufe der Jahre erlernen konnte (und das manchmal auf schmerzliche Art und Weise) war die Erkenntnis davon,  dass meine Kinder mit ca. 14 Jahren anfingen,  analytische Fähigkeiten aufzuweisen,  die ein eigenständiges Denken und entwicklungsbedürftiges Wissen nach sich zog.  Nun,  das ist an sich ja nichts Neues und sollte im Zuge der Erwachsenenbildung auch bei Kindern und Jugendlichen gefördert und willkommen geheißen werden.   Aber erstaunt war ich dennoch über die schnell wachsende, geistige Gedankenstärke die meine Kinder an den Tag legten und mehr und mehr Meinungen und Ansichten äußerten,  die so nichts mit dem gemeinsam hatten,  was ich ihnen in all der Zeit beigebracht hatte.  Ich habe eine zeitlang gebraucht um festzustellen,  dass sich meine Kinder zu eigenständigen Wesen entwickelten,  die sich meinem, natürlich gut gemeinten  Einfluss immer stärker entzogen und irgendwie teilweise zu Fremde wurden,  die ich mit zunehmender Selbstständigkeit neu kennen lernen musste.
Am Anfang noch tat diese Erkenntnis weh,  denn ich ich dachte und empfand wie eine Mutter die ihre Kinder zu verlieren glaubt.  Meine Kinder die in meiner Vorstellung zu bestimmten Menschen heran reifen und ein bestimmtes Leben führen und selbstverständlich ein Leben von dem ich dachte,  dass es das beste für sie wäre.  Doch mit jedem Jahr musste ich mit Erstaunen feststellen,  dass diese Kinder,  denen ich so viele Jahre meines eigenen Lebens geschenkt hatte,  eine eigene Lebensphilosophie,  eigene Paradigmen entwickelten und auslebten.
Die schon lange gestellte Frage,  ob die Erziehung/Beeinflussung oder das schon vorher festgelegte Erbmaterial in einem Menschen stärker wirkt,  kam mir dann in den Sinn und ich sagte mir aufgrund meiner Beobachtung,  dass beide ineinander wirken, und das mal stärker und mal schwächer.  Sich ganz jeder Beeinflussung durch unserer Umwelt zu entziehen, schaffen wir sowieso nicht und unsere Gene haben uns von Anfang an fest im Griff, ob wir das wollen oder nicht.   Ich erkannte in meinen Kindern vieles von dem was ich ihnen beigebracht hatte,  aber auch vieles väterlicherseits oder von Seiten der übrigen Verwandtschaft oder Gesellschaft.  Aber ich sah auch völlig Neues,  hörte Überraschendes,  spürte Eigenständigkeit die nach außen drängte und lernte immer mehr einen neuen Menschen kennen,  das mein eigenes Kind ist.
Nicht viel anders ist es,  wenn man draußen in der Gesellschaft einen zuerst fremden Menschen kennen lernt,  denn auch dieser trägt Erbmaterial in sich und er wurde beeinflusst durch Erziehung von Autoritätspersonen in jungen Jahren und durch die Gesellschaft für den Rest seines Lebens.  Sicherlich,  die feste Bindung die zwischen Mutter/Vater und Kind besteht,  ist in diesem Fall nicht vorhanden,  aber das Grundprinzip ist dennoch vorhanden.  Nämlich unsere Vorstellung/Erwartung von einem anderen Menschen.
In meinem Fall ist die Vorstellung und Erwartung von meinen Kindern und wie sie werden sollten,  kollidiert mit der tatsächlichen Realiät, die sich in geistiger Eigenständigkeit und bewusstem  Handeln ausgedrückt hat.
Lernen wir einen Fremden kennen,  so erwarten wir aufgrund unserer eigenen Erziehung/Beeinflussung/Gene ebenfalls etwas Bestimmtes, wobei sich dies zu Anfang in Sympathie oder Antipathie ausdrückt.  Entspricht also ein Fremder eher unseren Vorstellungen,  so empfinden wir auch schneller Sympathie für ihn und wagen weitere Schritte des Kennenlernens.  Ebenso tun wir dies aus Neugier, Faszination, Anziehung oder einfach einem guten Gefühl.
Antipathie aber führt stets zu Stillstand, Abwehr, Flucht und Ablehnung.

Weitere Überlegungen ob Lebensberatung eine Philosophie ist,  erörtere ich in meinen fortführenden Artikeln :-)



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