Lebensberatung II

Gerade in den Zeiten am Ende des Jahres, um Weihnachten herum und wenn sich die lebendige Natur in Form von Kälte, Eis und Schnee und das Licht immer mehr zurück  zieht,  haben viele Menschen das Gefühl, als würde etwas in ihnen hervor kommen wollen,  das sie lieber nicht anschauen möchten oder dessen Auseinandersetzung über ihr Verständnis,  ihre Kraft und ihre Gefühle geht.
Dass dieses Gefühl gerade in den Wintermonaten hervor kommt ist nur verständlich. Durch die Kälte und die frühe Dunkelheit zieht es die meisten Menschen nach getaner Arbeit nachhause in behagliche Wärme,  freundlichen Lichtern und Menschen die sie willkommen heißen.  Der Feierabend wird  dann besonders genossen und beginnt mit dem frühen Dunkeln ebenfalls vorzeitig.  Sicherlich,  viele Menschen machen sich auch nach der Arbeit auf den Weg in die Stadt, um sich   mit lauter Musik,  Alkohol und  Small Talk abzulenken oder abzuschalten. Aber irgendwann müssen auch diese durch die Kälte nachhause.  Ob sie dann dort ebenfalls Behaglichkeit begrüßt,  ist dann wieder eine andere Sache.
Doch gleichgültig um welche Situation es sich im Einzelnen handelt, das leicht ungute Gefühl taucht immer wieder auf.
Ausgehend von Gesprächen mit Betroffenen hat sich heraus gestellt,  dass das Fehlen bzw. Zurückgehen von Licht und Wärme ein Indikator sein kann,  sich des eigenen Lebens,  seiner Wünsche und Erwartungen mehr bewusst zu werden als in Zeiten von Licht,  Sonne,  Sommer und Hochgefühl,  was eher als Ablenkung gedacht und hin zu Entspannung und persönlicher Freiheit zielt.  Durch die Dunkelheit und  Kälte fühlt sich der Mensch verstärkt gezwungen sich still zu verhalten. Dies gilt auch für  Sportbegeisterte die z.B. gerade im Winter ihre Skier auspacken, denn auch hier ist eine Bewegung nur bis zum frühen Einbruch der Dunkelheit möglich.  Zumal man diese Sportart ja auch nur im Zusammenhang der Länge seines Urlaubs ausüben kann.
Erschwerend im üblichen Sinne kommt dann noch hinzu,  dass der Körper bei Dunkelheit den Neurotransmitter Melatonin ausschüttet,  der im Gegensatz zu dem Tagestransmitter Seratonin unter anderem  dafür zuständig ist, den Körper müde werden zu lassen,  damit sich dieser zur Ruhe und Erholung nieder legt.  Was die wenigsten natürlich tun.  Denn wer möchte sich schon in den Wintermonaten ab 17:00 bettfertig machen?  Der springende Punkt ist,  dass die Menschen sich schon so weit vom Rythmus der Natur entfernt haben,  dass sie deren natürliche Aufforderung zu Ruhe und Kontemplation nicht mehr wahrnehmen,  geschweige denn in die Tat umsetzen.  Alles muss immer schnell, laut und abwechslungsreich sein und dabei lassen sich die Menschen immer öfter zu abenteuerlichen Sportarten, gefährlichen Mutproben und bewusstseinserweiternden Methoden hinreißen,  nur um einen noch besseren und ultimativeren Kick zu erleben.   Doch im Grunde genommen sind dies alles Überkompensationen,  die von der eigendlichen Leere im Inneren ablenken sollen,  was ihnen allerdings nur kurzfristig gelingt.
Die Zeit des Winters mit seiner Stille und dem sanften Vorbereiten auf den kommenden Frühling ist aber eine besonders gute Zeit über das nachzudenken was uns wirklich bewegt.  Nicht umsonst spricht man von besinnlichen Tagen und damit ist nicht nur die Sinnesfreude eines von köstlichen Gerichten stimulierten Gaumens die Rede,  sondern auch von unserem Suchen nach dem tiefen Sinn unseres Daseins.
Gerade jetzt bei Kerzenschein und ruhigen Abenden,  aber auch bei Wanderungen durch schlafende Wälder und zugefrorenen Seen zeigt uns die Natur wie nahe wir ihr sind und gleichzeitig wie nahe uns selbst.
Und auch wenn ab dem 21.12. die Tage wieder länger und die Nächte wieder kürzer werden,  so haben wir doch noch ein paar Wochen der ruhigen Besinnlichkeit.  Nutzen wir also diese Zeit der Erholung,  des Kräfte sammeln und des inneren Hausputzes,  bevor wir im Frühling die Tür aufreißen und all den Staub und unnütze Dinge mit dem großen Besen nach draußen fegen,  damit der Wind sie auf Nimmerwiedersehen mit nimmt.



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