Julfest – auf gehts

Tatsächlich habe ich dieses Jahr alles geschafft und sogar noch ein wenig Zeit einen kleinen Artikel zu schreiben.
Draußen dunkelt es immer mehr,  es ist kalt und der Schnee liegt auch noch,  sodass man nur allzu gerne zuhause bleibt und sich dankbar für die dortige Wärme einkuschelt und besinnlich einstimmt.
Heute ist die längste Nacht und der kürzeste Tag und auch wenn es nicht danach aussieht und wir von einem sensiblen  Gefühl dafür weit entfernt sind,  so geht es ab morgen mit dem Sonnenlicht wieder bergauf.  Am 21.12., dem ersten Tag des 10. Tierkreismonats,  erfüllt sich nach den Überlieferungen unserer Urväter ein geheimnisvolles Geschehen:  An diesem Tag wird die Sonne von Allvater wieder erfasst.  Allerdings sieht es in diesem 10. Monat (Dezember) erst einmal nicht nach Sonne und zunehmender Wärme aus,  denn vom 21.12. bis zum 21. Januar liegt alles in der Natur in Todesstarre (zumindest hier in diesen Breitengraden),  nichts regt sich und die Bäume scheinen unter der Kälte in tiefen Schlaf gefallen zu sein.
Aber manche Menschen und erst recht die Geschöpfe der Natur wissen mit Gewissheit,  dass in diesem Monat ein großes und heimliches Lebensgeschehen vollzogen wird,  auch wenn man es nicht sehen kann.  Dieser Monat gehört zu den kältesten Monaten und die Zeit der härtesten und strengsten Herrschaft des Winters.   Dennoch ist dieser Tag der heimliche Beginn des Frühlings.  Und nicht umsonst heißt es Winter-Sonnen-Wende.
Es macht keinen Unterschied,  ob die Heiden die Wiederkehr der Sonne am 21.12.  und die Christen am 24.12. feiern,  das Prinzip oder der Hintergrund ist seit vielen Jahrhunderten der gleiche geblieben.   Doch der naturverbundene Mensch weiß, dass es ein Fest der Auferstehung des Lebens aus Grabesnot und Finsternis ist und was steht da als Symbol näher als der ewig grüne Tannenbaum mit seinem zum Himmel sich verjüngenden Spitze.  Und die Lichter die ihn schmücken?  Sagen sie uns nicht,  dass das Licht sich gesammelt hat und lange genug verborgen,  langsam aber beständig wieder aus dem Grab empor steigt und Leben und Freiheit mit sich bringt?
Allerdings sieht man in diesem Monat noch nichts von kraftvollem empor steigen und Wärme,  weil es im Verborgenen stattfindet.  Abgeschirmt von der Außenwelt (in der wir uns ebenfalls befinden) spielt sich Gewaltiges ab.  Und es muss so sein,  denn woher sollte  sonst die Energie im Frühling kommen,  die mit Farbenpracht und Vielfälltigkeit nach außen drängt,  wenn nicht schon eine Vorbereitungszeit im tiefsten Winter statt findet?
Schon ungefähr sechs Wochen nach der Winter-Sonnen-Wende bekommen wir Tage geschenkt,  die eine ganze Stunde länger sind,  wobei der Beginn dieser Veränderung am 21.12. ganz still und leise die Überwindung von Tod und Grab in die Wege leitet.
Wir wissen,  das der genaue Tag von Jesu Geburt nicht genau bekannt ist,  aber die ersten drei Jahrhunderte feierten die Menschen das Geburtsfest am 21.03.,  also um den Eintritt der Sonne in den Frühlings-Punkt.  Das machte Sinn,  denn so wurde der Beginn des Frühlings, des neues Jahres,  der neue Anfang mit der Geburt des Heilandes zusammen gelegt.  Erst das 4. vorchristliche Jahrhundert verlegte,  völlig gegen das Gesetz der Natur,  die Geburt von Jesu in die Winter-Sonnen-Wende.  So wurde und wird es heute noch so gehandhabt, der Tag der winterlichen Wende der Sonne immer mehr als der Tag der “Geburt der Sonne” bezeichnet,  obwohl er kosmo-biologisch der Tag der “Auferstehung der Sonne” ist.  Denn um die Zeit des 21.12. wird in der Natur nichts geboren, nicht einmal eine Sonne.
Sinngemäß könnte man natürlich auch bei Jesus der zum Christus wurde,  von einer Auferstehung sprechen,  aber die fand ja bekanntlich nicht im Dezember statt,  wobei jedoch wiederum Jesus Christus der “Lichtbringer” einen schönen Zusammenhang zur Winter-Sonnen-Wende darstellt.
Die alten Naturreligionen feierten 12 Naturfeste,  in jedem Monat eines,  um die Vielfalt der Natur und deren inne wohnenden Kräfte zu ehren und zu respektieren und sie taten dies von Anfang an im Zusammenhang mit Symbolen und Riten.  Dadurch fühlten sie sich der Natur noch näher und glaubten daran,  so ein Stück dieser großartigen und grandiosen Magie geschenkt zu bekommen.  Hinterfragt man dieses Verhalten,  das bis zum heutigen Tag wenn auch in anderer Form beibehalten wurde,  so kommt man sehr schnell auf einen gemeinsamen Nenner.  Immer wollen die Menschen wissen welch brilliante Kraft hinter all diesen Schöpfungen steht?  Wer oder was ist es,  was das Leben in seiner unendlichen Vielfälltigkeit ausmacht?    Was genau ist das Leben ansich?  Wer oder was treibt das Leben voran?  Und welche Rolle spielen wir Menschen dabei?
Wir glauben die Antworten in Buddha, Jehova, Gott, Mohamed, Wotan, Shiva, in den Sternen, im Kaffeesatz oder in der Mathematik zu finden und werden es nicht müde,  in immer wieder kehrenden Handlungen einen Sinn  zu finden.

Aber es ist schön.  Es ist schön zu sehen,  dass es Menschen gibt die des Fragens nicht müde werden und jedes Jahr aufs Neue besinnliche Zeiten herauf beschwören,  um womöglich wieder einen Hauch dessen zu erhaschen,  was der “Lichtbringer” oder  “Mutter Natur”  uns unermüdlich offenbart.
Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit in selbst gewählter Erimitage,  in ruhiger Zurückgezogenheit und sanften Gedankengängen,  in denen ihr wohlbehütet und zufrieden wandeln könnt,  um großartigen Gedanken zu folgen.

(Teilinhalte aus “Tierkreiszeichen und Menschenleben” von Hans Sterneder)


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