Julfest

Am 21.12. ist es wieder soweit.  Julfest.
Noch vor hundert Jahren als Heidenfest verschrien und verurteilt,  ist dieser Tag in der jetzigen Zeit weniger bekannt, wird aber stillschweigend gebilligt.  Dabei haben die heutigen Christen es gerade diesem heidnischen Fest zu verdanken,  dass sie am 24.12. einen schön geschmückten Tannenbaum im Zimmer stehen haben, da das Julfest ein Vorläufer des Weihnachtsfestes ist, das die heidnischen Germanen zur Wintersonnenwende feierten.
“Jul”,  dieser Name stammt aus vorchristlicher Zeit und heißt eigendlich “Rad”,  das Symbol der Sonne.  In früheren Zeiten wurde es durch ein brennendes strohumwickeltes Wagenrad dargestellt, das man den Berg hinunter rollen ließ. Dabei glaubte man,  dass dadurch die Felder fruchtbar gemacht wurden.
Früher schon dauerte die Julzeit zwölf Tage und wurde auch als Friedenszeit betrachtet, in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Efeu, Stechpalme, Kiefer, Wacholder geschmückt wurden. Man schrieb diesen Bäumen und Pflanzen schützende und heilende Kräfte zu,  was auch daran lag, dass diese entgegen der kalten Jahreszeit immer ein grünes Kleid trugen.
Ein alter Brauch war es auch,  einen großen Holzklotz aus dem Wald zu holen, den “Julklotz” und ihn zwölf Tage und Nächte brennen zu lassen.  Mit seiner Asche wurden die Felder gedüngt und krankes Vieh versorgt.  Das Haus stand in dieser Zeit den Gästen offen, die egal welcher Herkunft reich bewirtet wurden.
In den skandinavischen Ländern finden sich außer den jungen Bräuchen mit Tannenbaum und Weihnachtsmann noch die bäuerlichen Traditionen, bei denen es sich mehr um den Abschluss der Ernte handelt.  Unter einem schwedischen Weihnachtsbaum muss ein etwas 1m hoher “Julbock” aus Stroh stehen, der früher in der Phantasie der Kinder die Geschenke brachte und deshalb noch heute mit Päckchen behängt wird.  Genauso wird an anderer Stelle der “Julbock” als ein aus Stroh hergestellter Ziegenbock dargestellt, der das Reittier des Gottes Thor war.  Er bringt auf seinem Rücken die Geschenke.
Im Christentum vermischten sich diese nordischen Bräuche mit dem orientalischen Sonnenkult und bekamen dadurch einen neuen Sinn.  Erst im 4. Jahrhundert nach Christi Geburt legten die christlichen Kirchenführer nach vielen Querelen alle drei heiligen Feste zusammen, woraus unser Weihnachtsfest entstand.
Symbole des Weihnachtsfestes:

Adventskranz:  Advend = adventus = Ankunft
Kranz     =  umgewindet
Im heutigen Adventskranz ist die germanische Totenverehrung rituell, wenn auch unbewusst erhalten  geblieben. Adventskränze und Grabkränze sind kaum zu unterscheiden.  Das Kranzwinden ist Sinnbild für den Zyklus von Leben und Tod, entweder den Menschen oder die Sonne betreffend.  Seine Kreisform steht für das Zusammenfallen von Anfang und Ende des Jahres, für Niedergang und Erneuerung, für das ewig Zyklische der Natur.   Die grüne Farbe ist Fruchtbarkeit und Leben, vor allem in Bezug auf den erhofften Frühling.   Die vier Kerzen stehen für die vier Wochen des Julmondes sowie für die vier Jahreszeiten, die vier Element und die vier Himmelsrichtungen.
Im Sinne des Julfestes bedeutet das Kerzenfeuer das Sonnenlicht, welches immer weniger wird.  So werden die vier Kerzen auf dem Kranz vier Wochen vor dem Julfest angezündet, dann im Laufe der Wochen nur drei, zwei und schließlich eine einzige Kerze entzündet, die als Symbol für die abnehmende Sonnenkraft steht.  Ganz so wie es uns die Natur in Hinblick auf die Wintersonnenwende zeigt (längste Nacht und kürzester Tag).  Zum Julfest/Wintersonnenwende werden dann feierlich wieder alle Lichter entzündet, sodass die Neugeburt des Lichtes (die Tage werden wieder länger) und der Beginn eines neuen Zyklus eingeläutet wird.

Weihnachtsbaum:
Der Weihnachtsbaum ist ohne Zweifel der Mittelpunkt des Festes.  Drei Merkmale kennzeichnen unseren Weihnachtsbaum:  Grün, Licht und die Eigenschaft als Gabenbaum.  Alle drei Merkmale sind bereits aus der Antike überliefert,  denn immergrüne Zeige und Misteln galten als Symbol der Fruchtbarkeit.  Licht zur Ehre des neuen Lebens der Sonne sowie Äpfel, Nüsse und Gebäck als Gaben vom Weltenbaum, Geschenk und Opfer zugleich.
Ein Vorläufer des Weihnachtsbaumes in der heutigen Form ist sicher auch die stilisierte hölzerne Pyramide, die mit Äpfeln, Tannenzweigen und Kerzen geschmückt wurde.

Baumspitze:
Die heutige Baumspitze geht auf die Spitze zurück, die mit einem großen goldenen, meist achtstrahligen Stern geschmückt ist. Die acht Strahlen stellen die acht Speichen des natürlichen Jahresrades dar, der Stern selbst als Sonnensymbol hat ebenfalls astronomische Bedeutung.  Licht, Glanz und Leben der neuen Sonne sollen auch die Festgemeinschaft erfassen.

Lametta:
Glanz, Leuchtkraft und hervorgehobene Festlichkeit ist immer ein Bestreben, das sich in versilbern oder vergolden ausdrückt. Hintergründig ist auch der alte alchimistische Wunsch zu vermuten, Blei in Gold bzw. Silber  verwandeln zu wollen.  Eine psychologische Absicht, die sich zuallererst auf den Geist des Goldmachers bezieht:  Er muss in die Abgründe seiner eigenen Psyche hinabsteigen, den unbewussten, verdrängten Aspekten seines Selbst begegnen und diese “vergolden” – transformieren, positiv auflösen, um als neuer, vervollkommneter Mensch wiederzuerstehen.

Weihnachtskugeln:
Der Kugelschmuck ersetzt oder ergänzt die symbolischen Früchte des Weihnachtsbaumes. Die Form lässt den Apfel als Vorbild erkennen.  Die immer wiederkehrenden Früchte sind oft vergoldet,  um auf die Sonne oder die heiligen Feuer und Lichter hinzuweisen. Auch die anderen Grundfarben haben eigene Bedeutungen, z.B. rot als Symbol für Feuer, Sonne und Leben.

Krippen:
Die Vorstellung eines göttlichen Kindes gehört zu den religiösen Urideen der Menschheit.  In vielen vorchristlichen Mythen wird ein solcher Gottessohn als “das Licht der Welt” bzw. als “Licht des Lebens” gepriesen, mit deutlichem Bezug zum Sonnenkult.
Und fast immer lag das Sonnenkind in einer Krippe, was vom Grundbegriff des Wortes her Flechtwerk bzw. Korb bedeutet.  Dionysos, Hermes und Zeus z.B. wurden der Sage nach als Neugeborene in einem Korb liegend gefunden.

Kind:
Sinnbildlich haben unsere Vorfahren also die neuerstehende Sonne mit einem neugeborenen Kind verglichen, das von Tag zu Tag größer und stärker wird. Als Kennzeichen der Sonne trug dieses Kind den Strahlenglanz des Lichtgestirns um sich – bis der neuen Lehre dieses Gleichnis eines Tages missfiel.  Man nahm das Sonnenkindchen aus der Wiege und legte einen Knaben aus einem fremden Volk hinein.  Der Sonnenkranz wurde zum Heiligenschein, Johannes (8, 12) lässt Jesus sagen:  “Ich bin das Licht der Welt”

Kerzen:
Sinnvoll sind 12 Kerzen, eine für jeden Monat des nächsten Jahres.  Die Kerzenfassungen symbolisieren Blütenkelche, Geburtsort der Frucht, des Lichtes.  Das Kerzenlicht verleiht der Freude über die wiederkehrende Sonne und den Neubeginn des Lebens Ausdruck.

(Inhalt mit freundlicher Genehmigung entnommen aus “Geweihte Nächte” von Björn Ulbrich und Holger Gerwin, und Google)

In diesem Sinne wünsche ich allen ein besinnliches Fest mit Gedanken an das Licht, die Liebe und die Erneuerung :-)



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