Ich sehe was, was mein Gehirn nicht sieht

Als ich heute morgen mit meinem Hundi “Lilith” in den Park zum morgendlichen Gassi gehen und Fussball spielen ging, setzte ich mich zuerst, wie jeden Morgen auf den Stein-Halbkreis um die Ruhe, die Stille und die Dunkelheit für fünf Minuten zu genießen.  Dabei ließ ich meinen Blick schweifen und nahm in ca. 200 Meter Entfernung, am Rand des Parks eine Gestalt wahr, die mit schnellem Schritt vorbei eilte.  Auf diese Entfernung konnte ich keine Einzelheiten erkennen, sondern nur eine, wenn auch etwas unförmige Person, bei der mir gerade diese Unförmigkeit zu denken gab. Denn ich konnte sie nicht einordnen und mir selber erklären, warum die Figur so eigenartig aussieht.
Kurz bevor die Person aus meinem Blickfeld verschwand, trat sie aus den langen Schatten der Bäume, die am Rand des Parks in regelmäßigen Abständen gepflanzt worden waren, und nun, im Lichte der hell erstrahlenden Kreuzungsbeleuchtung, erkannte ich, dass die Person keineswegs unförmig war, sondern dass lediglich ihre Gestalt mit dem dazu gehörigen Schatten, ein Spiel der Baumschatten war,  die sich mit dem Licht der Straßenbeleuchtung abgesprochen hatten, meinem Auge einen kleinen Streich zu spielen.
Doch sogleich kamen mir Zweifel an meiner Erklärung.  Denn wie allgemein bekannt, sieht das Auge vielmehr als unser Gehirn erkennen kann. Das heißt, dass in diesem Beispiel mein Augen etwas gesehen hat, diese Info an mein Gehirn weiter gab und dieses hat dann aufgrund der Erkenntnisse aus der Vergangenheit und dem was es als “Erkennbar” und “bekannt” einstuft, ein Resultat erstellt.  Mein Gehirn entscheidet also was ich sehe und nicht das Auge. Dieses ist lediglich das Fenster durch das Informationen hereinfluten und von dem Gehirn verarbeitet werden.
Das heißt also, dass wir eigentlich nicht die Realität wahrnehmen, sondern vielmehr das Bild das mein Gehirn mit den Sinneseindrücken plus zahlreicher Assoziationen zusammenstellt. Deshalb sehen wir auch bei dem gleichen Objekt oft etwas anderes als derjenige der mit mir das Objekt zur gleichen Zeit anschaut.

Was aber wäre, so fragte ich mich heute morgen, wenn mein Auge etwas sieht, das mein Gehirn nicht erkennen kann, weil es in seinem Archiv, seinen Erinnerung und seiner Vergangenheit nichts Vergleichbares finden kann, um ein Bild, ein Resultat, ein Fakt, eine Realität daraus zu machen?  Ich würde doch nichts erkennen, obwohl mein Auge etwas sieht.   Aber dann könnte die Person heute morgen im Park sehr wohl unförmig und für mich nicht einzuordnen sein, aber da mein Gehirn nun mal am liebsten auf Altbewährtes zurück greift, hat es mir und sich selber vorgemacht, dass die Person ganz normal aussieht, wobei es auch hätte anders sein können.

Folge ich dieser logischen Konsequenz, dann komme ich ganz schnell an einen Punkt der sagt, dass ich nicht mal annähernd sicher sein kann, dass das was mein Gehirn erkennt, auch das ist was mein Auge sieht.
Was aber noch wichtiger für mich ist: Wie schaffe ich es, all das zu sehen, was über meinen vom Gehirn erkennbaren Horizont hinaus geht???



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