Auf ein Zweites

Gestern morgen bin ich also zum zweiten mal zu dieser Rassehundeausstellung gegangen.
Was soll ich sagen? Es war interessant. Verwunderlich. Erstaunlich. Überraschend.
Mir ist ja bewusst, dass Menschen viel für ihre Lieblinge tun, egal ob es sich dabei um
Hunde, Katzen,Vögel oder sogar Reptilien geht.  Ja, es werden sogar Riesenkakerlaken
mit Strasssteinchen beklebt und mit einer Kette verbunden, als eine Art Anhänger um den
Hals, das Handgelenk oder an Kleidern getragen.
Angesichts dieser Geschmackskuriosität ist es nicht verwunderlich, dass Hundebesitzer
ihre Lieblinge mit Bürsten, Kämme, Fön, Lack, Leder, edlen Stoffen, aromatischen Düften,
Küßchen, Schleifchen, endlosen Streicheleinheiten und Gezupfe hier und Aufgewuschel dort,
stundenlang verwöhnen.   Moment! Verwöhnen kann man das aber dann nun doch nicht
nennen, denn die armen, geplagten und weit, weit weg jeglicher, artgerechten Haltung… ach was
weit weg vom Schatten irgendeiner artgerechten Haltung, müssen diese Tiere das über sich
ergehen lassen, von dem Herrchen oder Frauchen (meistens sind es Frauchen) glauben, dass
es gut für Hundi, aber noch besser gut für Frauli und Herrli ist.  So z.B. in Form von Applaus
oder im besten Fall in Form eines Pokals.
Ist der Hund nämlich dann fertig mit frisieren und sind alle Schleifchen da wo sie sein sollen,
und ist auch das letzte Häarchen mit einer Spezielschere millimetergenau auf die richtige
Länge gestutzt worden, dürfen die Hunde an ultradünnen, unauffälligen Leinen, mehrere
Runden neben ihrem Besitzer vor einer Jury im Kreis laufen.
Wird der Kopf hoch genug getragen? Wehen die Haare leicht und flockig im Hallenwind?
Befindet sich der Schwanz (wenn denn einer vorhanden) im richtigen winkel zu den Hinter-
läufen?  Oh mein Gott!… Nein!!!….Stolperte da gerade der weiße Königspudel über ein
Staubkörnchen auf dem Boden? Nicht zu fassen. Keine Disziplin. Null Erziehung.

Und liegen dann am Abend Herrchen/Frauchen und Hunde in ihren Betten, dann träumen
die Menschen von ihrem errungenen, goldenen Pokal oder haben Alpträume, weil sie es
wieder nicht geschafft haben.
Und der Hund? Er träumt vielleicht von einem bunten Ball dem er, durch eine schlammige
Pfütze freudvoll hinterher rennen darf.    Was für ein Hundeleben!



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