Kleiner Hund “Pablo” ganz groß

DEN “Pablo” den ich meine, ist ein Chihuahua.
Also ein kleiner (kleinste Hunderasse der Welt) wenn nicht sogar winziger Hund, den man unweigerlich mit Paris Hilton in Verbindung bringt.  Schade eigendlich,  aber ich muss gestehen, dass ich bis zu dem Zeitpunkt als ich “Pablo” kennen lernte und eines Besseren belehrt wurde, ähnlich gedacht habe.
Angeblich stammen Chihuahua aus dem alten Mexiko und wurden dort als Opferhunde gehalten, aber auch um gegessen zu werden. Man dachte, dass diese Hunde Führer toter Seelen seien, die die Seelen ins Jenseits führen würden und daher war es selbstverständlich, dass bei der Beerdigung auch immer einer dieser Hund sein Leben lassen musste.
Später dann (Mitte des 19. Jhd.) verkauften die Bauern der Provinz Chihuahua diese kleinen Hunde immer mehr an Touristen und so kamen die Vierbeiner über die Vereinigten Staaten nach Europa.
Übrigens: Die Hauptstadt der Provinz Chihuahua heißt ebenfalls Chihuahua und bedeutet “trockener und sandiger Ort” und die entsprechende Hunderasse hat also eigendlich nichts mit dieser Bezeichnung zu tun.

Nun fand also dieser winzige Hund irgendwann seinen Weg in die Handtasche von Paris Hilton und schon waren alle sowas von entzückt über dieses kleine Ding, das man überall mit herum tragen konnte und soooo süß aussah.  Paris “Tinkerbell” war nun eigendlich kein Hund mehr, sondern ein Accessoir und gleichzeitig ein Werbeträger dafür, dass Miss Hilton eine Tierliebhaberin ist.
Was bei der ganzen Sache vergessen wurde, war das Hündchen ansich.  Fast Jeder der “Tinkerbell” anschaute, konnte nur erkennen, wie süß und putzig dieses Tier ist.  Und dies traf vorallem auf Frauen zu.
So hat man festgestellt, dass gerade Frauen auf das sogenannte “Kindchenschema” anspringen, was bedeutet, dass bei kleinen und jungen Tieren, aber auch bei Babys und kleinen Kindern bestimmte kindliche Proportionen im Gesicht vorkommen, die bei Erwachsenen gewisse Reize hervor rufen und diese veranlassen, sich um das schutzbedürftige Wesen zu kümmern und es zu umsorgen.  Es ist eine übliche Vorgehensweise der Evolution die somit eine feste Bindung zwischen Eltern und Kind aufbaut, um die Aufzucht des Nachwuchses zu gewährleisten.
Und genau dieser Reiz setzte bei mir ein, als ich auf der Hundewiese “Pablo” sah.  Ein Chihuahua, Glatthaar, Rüde und höchstens 2 kg schwer. Zuerst dachte ich das ist ein Mini-Chihuahua-Platz-in-der-Kaffeetasse-Hund, aber dann erzählte mir die Besitzerin, dass er von Anfang an zu klein geraten sei, da er als Welpe an einer Darmerkrankung gelitten hatte und dies irgendwie seinen Wachstum gehemmt hätte.
Trotz alledem ist Pablo eine Wucht. Wenn ich ihn sehe, habe ich große Lust in seine voll ausgebildeten Waden zu beißen oder an seinem festen Schenkel zu knabbern. Er ist einfach ein richtiger Hund, nur ganz klein. Stets hält er den Kopf stolz in die Höhe, scharrt mit seinen Hinterbeinen Steine und Gras nach hinten und macht ganz den Anschein, als ob der Park und die Hundwiese ihm alleine gehört. Was aber nicht stimmen kann, da die Wiese ja meinem Hund gehört :-)
Nichtsdestotrotz hat Pablo seinen ganz eigenen Kopf und wäre dieser so groß wie sein Ego, hätte er wahrscheinlich einen Elefantenkopf, wobei noch hinzu kommt, dass in seiner Brust ein mutiges Kämpferherz schlägt.
Egal wie groß die anderen Hunde auf der Hundewiese auch sind, Pablo hat keine Probleme damit auf sie zu zu gehen, sie zu beschnuppern und gegebenenfalls auch zu besteigen. Was angesichts einer Hundedame der Rasse Golden Retriever ziemlich eigenartig aussieht.
Leider sind immernoch einige andere Hundebesitzer und auch Nicht-Hundebesitzer der irrigen Meinung, dass kleine Hunde wohl irgendwie keine richtigen Hunde sind und sie deshalb auch keine Erziehung bräuchten, geschweige denn irgendetwas was “normale” Hunde eben so brauchen. So erzählte mir die Besitzerin, dass sie tatsächlich schon des öfteren mit erleben musste, dass ihr Hund einfach ohne zu fragen hoch gehoben wurde. Ob dieser nun an der Leine war oder nicht. Die betreffenden Personen waren hin und weg von diesem kleinen Geschöpf und dachten wohl, dass Pablo deshalb Allgemeingut wäre.  So wurde er geherzt, geknuddelt und mit eigenartigen Lauten, die sehr an Babysprache aus dem Mund eines Erwachsenen erinnert, überschüttet.  Da hieß es dann “dududu” und “was bist du für ein Süßer” und “ach ist der klein” und “gutschigutschigutschi”.  Weniger erfreulich und sogar beleidigend erschien ihnen dann die bestimmende Aussage der Hundebesitzerin, die energisch aufforderte den Hund sofort wieder auf den Boden zu setzen.

Vielleicht sollte die Besitzerin von Pablo einfach nichts sagen und genauso frech die Handtasche der Dame, die Pablo auf dem Arm hatte, entreißen und von oben bis unten und außen und innen genau in Augenschein nehmen und sich lauthals darüber auslassen, was für eine tolle Tasche das doch wäre und wie wahnsinnig weich sie sich anfühlt und was da alles rein passt……:-)
Nun ja, Pablo geht es auf jeden Fall gut und verweichlicht wird er auch nicht.
Er ist eben ein richtiger Hund.
Brav Pablo :-)



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