Hunde mit Charakter

Bevor ich einen Hund hatte,  war ich wie so viele Andere der gängigen Meinung, dass bestimmte Hunde so sind wie es überall herum erzählt wird.  Daher dachte ich, dass Dackel hinterlistig sind, Pudel dumm und eingebildet, Chihuahua nur für die Handtasche geeignet, Boxer bescheuert, Rottweiler bissig, Windhunde nur rennen können,  Bernhardiner nur retten und Schäferhunde am liebsten “Sitz” und “Platz” hören wollen.
Von Rassehunden hatte ich die Meinung, dass sie nicht alt werden, weil sie vorher an diversen Krankheiten dahin gerafft werden und Mischlingshunde alles tun was man will und dass sie uralt und friedlich in ihren Hundekörbchen einschlafen, weil sie so wahnsinnig widerstandsfähig sind.

Nun da ich selber einen Hund habe (einer dieser reinrassigen Foxterriern, der genau so ist wie ich immer gehört habe: agil, streitlustig, an anderen Hunden uninteressiert,  treu, intelligent und extrem Ball fixiert und trotz Reinrassigkeit noch am Leben) und immer mit ihm Gassi gehe, wurde ich was die allgemeine Meinung von Hunden betrifft eines Besseren belehrt.
So habe ich einen riesigen und fetten Rottweiler namens “Rüdiger” kennen gelernt, der brav wie ein Lamm, genügsam wie ein Kamel und ruhig wie ein Faultier hinter seinem Herrchen her trottete. Und auch wenn sein Herrchen noch so wild fluchte und sich die Lunge aus dem Leib schrie, wenn “Rüdiger” nicht bei Fuß ging, sondern drei Meter hinter ihm blieb, hatte dieser Hund die Ruhe weg. Es schien als würde er immer sagen: Ist ja gut Herrchen. Schrei du nur rum. Ich komme sowieso dann wenn ich komme und wenn ich da bin, dann bin ich eben da.
Und auch wenn behauptet wird, dass sich Hunde immer mehr dem Menschen und im speziellen dem Herrchen oder Frauchen anpassen, so kam mir dies im Fall von “Rüdiger” nicht so vor.  Dazu muss man wissen, dass Herrchen von “Rüdiger” eine imposante Erscheinung ist. Ich weiß nicht was dieser Herr von Beruf ist,  aber für mich hätte er viele Jahre auf einem Schiff arbeiten können, denn seine etwas stümperhaften, verschwommen blauen Tattoos an den Armen, sein dicker Leibesumfang und seine grobe und derbe Sprache deuten so etwas an.
Als ich ihn kennen lernte, wurde ich zuerst einmal gleich von ihm angeschrieen, weil mein Hund seinen Hund freudig begrüßte und dabei ein paar Belllaute von sich gab. DAS wiederrum konnte er  (das Herrchen) überhaupt nicht aussehen und immer wenn er mich in Zukunft auch nur von weitem sah, fing er an zu brüllen, ich solle meinen Köter an die Leine nehmen (er hatte seinen nicht an der Leine) und den Park verlassen.
Nun lasse ich mir nicht so gerne sagen, was ich tun oder lassen soll und suchte deshalb das Gespräch mit diesem Herrn, während mein Hund wild und verliebt um Rüdiger herum tollte.  Nach anfänglichen Bedenken, konnte ich dann tatsächlich ein paar Worte mit ihm wechseln, aber das Gespräch wurde natürlich sehr schnell von Rüdigers Herrchen an sich gerissen. Er tobte über die Regierung, verfluchte die Politiker, wollte die Beamten nach Sibirien schicken, wünschte seinen Nachbarn die Pest an den Hals und forderte zwischen durch Rüdiger dutzende Male auf bei Fuß zu gehen, was dieser aber geflissenhaft ignorierte.

Dieses Kennenlernen ist jetzt fast sechs Jahre her und wann immer ich ihn danach gesehen habe, hörte ich ihn lauthals nach Rüdiger rufen und Rüdiger würdigte ihn keines Blickes. Von wegen Rottweile und bissig und böse.
Vielleicht, so mögen manche jetzt sagen, war dieser Hund die große Ausnahme, aber ich kann dazu nur sagen, dass ich im Laufe der Zeit noch andere Rottweiler kennen gelernt habe und bei keinem hatte ich das Gefühl, dass er unangenehm auffiel oder mir Angst machte.
Was mir aber auffiel war die Tatsache, dass mir das Herrchen von Rüdiger Angst machte, er bissige Kommentare von sich gab und manchmal auch ganz schön böse schauen konnte.



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