Auf der Hundewiese

Vor ein paar Monaten noch gingen jeden Mittag meine Kinder mit dem Hund Gassi.
Das mussten sie aus zwei Gründen tun:  Zum einen gehörte es zu ihren Pflichten den Hund einmal am Tag auf die Wiese zu führen und zum anderen nutzte ich die Gelegenheit und verband diese Pflicht mit dem Wissen, dass meine Kinder wenigstens einmal pro Tag an die frische Luft und die Sonne kamen.
Nun muss ich voraus schicken,  dass meine Kinder eigendlich schon ziemlich groß sind (16, 18, 20) und man sollte meinen,  dass sie die Pflichten die eine Hundehaltung beinhaltet sicherlich kennen,  doch man muss auch beachten,  dass sich dieses Alter teilweise noch mitten in der Pubertät oder zumindest in seinen Ausläufern befindet,  sodass Pflichten noch als unglaublich schwer, total uncool und als Lustkiller bezeichnet werden.
Als dann einer meiner Söhne in die Lehre kam und meine Tochter mit der Matura beschäftigt war,  habe ich die Sache selbst in die Hand genommen und mich daran gewöhnt,  mehrmals am Tag mit dem Hund Gassi zu gehen.  Und da ich ein aufmerksamer Mensch bin,  konnte ich feststellen,  dass es richtig spannend sein konnte.
So wurde ich auf der Hundewiese nicht nur mit Hunden verschiedenster Rassen konfrontiert, und zwar Rassen von denen ich noch nie etwas gehört hatte,  sondern ich hatte auch die Gelegenheit Hunde verschiedenster Mischungen zu begutachten.  Das ist ansich ja nichts neues,  aber es erstaunt mich doch immer wieder,  wenn beispielsweise  ein Frauchen oder ein Herrchen mir erzählt,  dass sein Hund von einer Mutter abstammt die Dackel und Peckinese beinhaltet und von einem Vater gezeugt wurde, der Border Collie und Schäferhund intus hat.  Heraus kommt dann ein halbhoher Hund mit dem gekringelten Schwanz und der kurzen Schnauze eines Pekinesen, den Ohren und dem Körperbau eines Collies und den Augen eines Dackels.  Von den inneren Werten mal ganz abgesehen :-)
Desweiteren treffe ich Hunde,  die doch tatsächlich rein äußerlich zu den Hundehaltern passen.  Kleine, schmale Hündchen zu ebenso zarten und schlanken Frauen.  Bullige, dicke Hunde zu gemütlichen dickeren Menschen.  Und bissige, kläffende Hunde zu leicht erregbaren und ständig Zigarette rauchende Hundehaltern.

Es kommen Menschen auf die Hundewiese die einem Modekatalog entsprungen sind und schon zurück schrecken, wenn sich ihnen ein Hund wenige Meter nähert,  denn dieser könnte sie ja in irgendeiner Weise beschmutzen.  Warum diese Menschen einen eigenen Hund haben ist auf jeden Fall eine philosophisch/psychologische Abhandlung wert.
Andere sind ausgestattet,  als wären sie Tage lang mit ihrem Hund unterwegs.  Da finden sich strapazierfähige Hosen, Jacken und Schuhe und um den Bauch ist eine Tasche geschnallt die alles beinhaltet was man so braucht, wenn man mit dem Hund unterwegs ist:  Hundekacktüten, Leckerli, Regenjacke, Handy, Ball, Pfeife und ähnliches.  Die Kleidung dieser Menschen ist meistens mit Hundepfotenrückständen bedeckt, an ihren Schuhen klebt Dreck von kilometerweiten Wanderungen, ihre Haare sind wild und ungebändigt und ihre Augen strahlen ebenso wie die ihres Hundes, eine Frische und Freude aus,  die  einfach nur ansteckend ist.



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