Böser Hund oder böser Mensch?

Eigenartigerweise wurde ich mit diesem Thema in letzter Zeit immer wieder konfrontiert und als ich heute morgen die Frage las, ob denn Hunde heute gefährlicher sind als früher, musste ich an einige Begegnungen mit der menschlichen Spezies denken, die mit ihrem Hund meine Wege kreuzten.
Angefangen hatte meine genauere Betrachtung der Sachlage mit der Auseinandersetzung einer Hundehalterin zweier großer Hunde (vielleicht Bobtails), die so überhaupt nicht mit meinem kleinen Hund (Foxterrier) klar kamen.  Naja, es beruhte auf Gegenseitigkeit. Aber bei den Hunden ist es nun mal so wie bei den Menschen, manche können sich einfach nicht riechen und gehen sich an die Gurgel oder aus dem Weg.  Jedenfalls kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen unseren Hunden, vorallem wenn ein Ball dabei im Spiel war und damit letztendlich nicht einer unserer Hunde verletzt wird, habe ich die Hundebesitzerin direkt angesprochen und versucht eine Lösung für uns alle zu finden.  Das war aber garnicht so einfach wie ich dachte, denn sie war der Meinung, dass mein Hund von Natur aus bissig wäre und hinzu käme, dass einige im Park behaupten, dass IHRE Hunde auch bissig wären und dies überhaupt nicht der Wahrheit entspräche.
Ich war erst mal sprachlos, denn mein Hund kümmert sich nicht sonderlich um andere Hund, da er ganz Terrier versessen darauf ist, mit seinem Ball zu spielen und da er diesen als seine Beute ansieht, darf auch keiner in seine Nähe und mit spielen, außer ein paar ganz bestimmte Hunde, die mein Hund respektiert.
Auf jeden Fall bewertete diese Frau das natürliche Verhalten meines Hundes als bissig und die Attacken ihrer Hunde, die den Ball meines Hundes haben wollten, als normal.
Im Laufe des Gesprächs fand ich dann schnell heraus, dass es hier weniger um die Hunde ging, sondern um die Einstellung der Hundehalterin MIR gegenüber. Sie konnte meinen Hund nicht leiden, weil sie unausgesprochen mit mir nicht klar kam, da ich eben NICHT eine Stunde auf der Bank saß und meinen Hund sich selbst überließ, sondern lieber Ball mit ihm spielte.  Ich habe eine zeitlang gebraucht um die Frau zu beruhigen und sie darauf hin gewiesen, dass es uns doch alle um die Tiere gehen sollte und wir auf der Hundewiese irgendwie miteinander klar kommen wollen.  Wir haben uns dann über die Eigenarten unserer Hunde unterhalten und festgestellt, dass sie einfach nicht miteinander auskommen und es besser wäre, wenn wir uns aufeinander abstimmen und die Bälle eingepackt lassen oder zu verschiedenen Zeiten in der Hundewiese sind.
Das ist jetzt ein paar Wochen her und die Lösung hat sich gut bewährt. Ähnliche Unterhaltungen mit anderen Hundebesitzern aber haben mich in der Annahme bestärkt, dass im Grunde genommen nicht der Hund bissig, unterwürfig, lästig, faul, eigenartig oder aggressiv ist, sondern der Mensch am anderen Ende der Leine diese Eigenarten bewusst oder unbewusst über den Hund teilweise oder vollständig auslebt oder kompensiert.
Gestern noch war ich mit zwei Damen und ihren Hunden auf der Hundewiese, als eine andere, sehr sportlich gekleidete Frau mit einem Schäferhund die Wiese betrat.  Der Hund, ein belgischer Schäferhund von 1,5 Jahren freute sich sichtlich uns alle zu sehen und von der Leine gelassen zu werden, doch schon die ersten hüpfenden Sprünge von ihm, ließen bei den beiden Damen Angstzustände entstehen und mit den gemurmelten Worten, “der Hund ist bissig”, “der kneift einen immer” und “wir gehen lieber”, verließen sie demonstrativ die Hundewiese.
Da mein Hund und ich nichts gegen Neuankömmlinge, egal welcher Spezies haben (Ausnahme Tyranno saurus rex und Wildkatzen), hatten wir die Gelegenheit eine freundliche, sympathische und angagierte Frau und einen verspielten, verschmusten und artigen belgischen Schäferhund kennen zu lernen.  Das “bissige” an diesem Hund entpuppte sich dann als ein hechelnder, Schwanz wedelnder und erfreuter Hund, der mit offenem Maul auf einen zugelaufen kommt und das “kneifen” erwies sich als ein Abschlecken, um Zuversicht und die Aufforderung zum Spielen zu demonstrieren.
Tja, so entsteht ein voreilig getroffenes, unüberlegtes und aus der Luft gegriffenes Gerücht.

Und um die Frage in der Überschrift zu beantworten: Ja, es gibt böse Hunde und es gibt auch böse Menschen, aber wenn man vom wirklichen Ausgangspunkt ausgeht, dann steht vor einem Hund der zu einem “Besitz” wird, ein Mensch der gut oder böse, ruhig oder aggressiv, verständnisvoll oder gereizt ist und diese Eigenschaften auf den Hund überträgt oder es an ihm ausläßt.
Deshalb fordere ich nicht nur die Pflicht für einen Hundehalter zum Besuch einer Hundeschule, sondern auch eine “Mensch-will-einen-Hund-erkenne-dich-aber-erst-mal-selbst-Menschen-Schule” und DANN wird sich die Frage nach guter oder böser Hund mit Sicherheit schon im Vorfeld klären :-)

Bild: “Lilith” v. I.Schneider



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